Welchen Einfluss haben die Hormone auf die weibliche Sexualität?
Dr. Anneliese Schwenkhagen
Viele Frauen bemerken es selbst jeden Monat aufs Neue: Die Hormonschwankungen im Verlauf des Zyklus beeinflussen die Stimmung, das Wohlbefinden und auch die Lust auf Sex. Was die Lust betrifft, gilt: Mehr Lust um den Eisprung, mehr Frust vor der Regel.
Bis zu 75% aller Frauen haben in der zweiten Zyklushälfte, ganz besonders aber kurz vor der Regel, das ein oder andere Problem, wie z.B. Brustspannen, Blähbauch und ein bisschen mehr auf der Waage. Dazu kommen aber auch Stimmungsschwankungen und Fressattacken, man fühlt sich einfach „nicht so fit“ und ist ein „bisschen dünnhäutiger“.
Warum? Während der ersten 2 Wochen reift im Eierstock ein Eibläschen heran. Je größer es wird, desto mehr Östrogen wird in seiner Wand gebildet. Der Östrogenspiegel verzehnfacht sich ungefähr innerhalb dieser Zeit.
Zur Zyklusmitte platzt das Eibläschen und die so freigesetzte Eizelle macht sich auf den Weg durch den Eileiter in die Gebärmutter. Aus der zusammengefallenen Hülle des Eibläschens entsteht dann der so genannte Gelbkörper, der neben Östrogenen nun auch das Gelbkörperhormon (Progesteron) bildet. Wird das Ei nicht befruchtet, bildet sich der Gelbkörper zurück und die Hormonproduktion bricht zusammen. Es kommt zur Menstruationsblutung.
Das Gute-Laune-Barometer
Östrogene sind gut für die Stimmung. Ihr Gegenspieler, das Gelbkörperhormon, wirkt bei den meisten Frauen wie körpereigenes Valium, also beruhigend, schlafanstoßend, angstlösend. Das kann je nach Situation von Vorteil, aber auch von Nachteil sein. Wenn nun um die Menstruation Östrogene und Gelbkörperhormon plöt
zlich abfallen, kann das dazu führen, dass frau angespannt, gestresst, aggressiv oder depressiv ist und auf Sex schon gar keine Lust hat. Man spricht hier von typischen „Hormonentzugssymptomen“. Manche Frauen haben in dieser Phase auch häufiger Kopfschmerzen oder Migräne als zu anderen Zeitpunkten im Verlauf ihres Zyklus. Sobald aber das nächste Eibläschen heranreift und wieder Östrogene gebildet werden, ist der Spuk genauso schnell vorbei, wie er gekommen ist.
Viele Frauen merken, dass sich die sexuelle Lust im Verlauf des Zyklus ändert. Um den Zeitpunkt des Eisprungs haben die meisten Frauen mehr Lust als zu anderen Zeiten. Verantwortlich dafür ist vermutlich das männliche Hormon Testosteron, das ebenfalls im Eierstock gebildet wird. Um den Eisprung herum nimmt seine Produktion kurzfristig um bis zu 30% zu.
Wenn die Lust zur Last wird
Es gibt auch Frauen, die ganz besonders während der Menstruation Lust auf Sex haben. Man vermutet, dass dies weniger mit den Hormonen zu tun hat als vielmehr mit der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt die Gefahr einer unerwünschten Schwangerschaft niedrig ist und damit die mögliche Lustbremse „Angst vor Schwangerschaft“ nicht stört.
Probleme mit der Sexualität sind leider keine Seltenheit. Sexuelle Schwierigkeiten kommen häufiger vor, als man vermuten würde. Lustlosigkeit, Schmerzen beim Sex, Orgasmusprobleme und Schwierigkeiten mit der sexuellen Erregbarkeit sind dabei aber keineswegs nur ein Problem älterer Frauen in den Wechseljahren, sondern kommen genauso bei jüngeren Frauen vor. Nicht jedes sexuelle Problem ist aber automatisch eine Krankheit, die behandelt werden muss. So kann eine sexuelle Lustlosigkeit für eine Frau in einer bestimmten Lebenssituation (für sie selbst, ihren Partner oder die Partnerschaft) zu großen Schwierigkeiten führen, in einer anderen Situation aber für eine Frau völlig unproblematisch sein. Gerade beim Thema sexuelle Lustlosigkeit stellt sich immer wieder die Frage, ob die Hormone eine Rolle dabei spielen und wenn ja, welche.
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