Welchen Einfluss haben die Hormone auf die weibliche Sexualität?
Dr. Anneliese Schwenkhagen
Die Macht der männlichen Hormone
Östrogene sind vor allem für die Scheide wichtig. Sie fördern die Durchblutung der Scheidenhaut, den Aufbau der Schleimhaut, die Besiedlung der Scheide mit bestimmten Bakterien (Döderleinbakterien), die die Scheide vor Infektionen schützen, und fördern die sog. Lubrikation, also das „Feuchtwerden“ beim Sex. Fehlen die Östrogene, können Beschwerden wie Trockenheit der Sc
heide, Brennen, Jucken, Schmerzen beim Verkehr oder Scheideninfektionen auftreten.
Im Hinblick auf die sexuelle Lust scheinen die Östrogene aber nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Viel wichtiger sind hierbei die männlichen Hormone (Androgene). Die beiden wichtigsten sind Testosteron und DHEA/-S (Dehydroepiandrosteron/-sulfat). Testosteron wird in den Eierstöcken, der Nebennierenrinde und aus Vorstufen in anderen Organen, z.B. im Fettgewebe, gebildet. DHEA/-S stammt fast ausschließlich aus der Nebennierenrinde. DHEA/-S wird zum Teil aber auch im Körper zu Testosteron umgebaut. Lange Zeit war unklar, welche Bedeutung die männlichen Hormone bei Frauen haben. Wofür ein Hormon im Körper gebraucht wird, zeigt sich immer besonders deutlich daran, was passiert, wenn es plötzlich fehlt, wenn z.B. die Eierstöcke entfernt werden müssen oder die Nebennierenrinde nicht mehr richtig funktioniert. Auch wenn es noch kein eindeutig definiertes Krankheitsbild „Androgenmangel“ gibt, so werden doch bestimmte Symptome in Zusammenhang mit einem Mangel an männlichen Hormonen gebracht. Dazu gehören z.B.
- sexuelle Lustlosigkeit
- dauernde Müdigkeit ohne erkennbare Ursache
- vermindertes Wohlbefinden/schlechte Lebensqualität
- Abnahme der Schambehaarung
- Abnahme der Muskelmasse
In vielen Fällen treten die Beschwerden in unmittelbarer Folge von Ereignissen auf, die mit einer Abnahme der Produktion/Wirkung der männlichen Hormone verbunden sind.
Zurzeit gibt es in Deutschland leider noch kein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen, um einen solchen „Androgenmangel“ zu behandeln. Es wird aber intensiv an der Entwicklung solcher Medikamente gearbeitet. Erste Studien zeigten bereits sehr erfolgversprechende Ergebnisse.
Pro Libido
Hormonelle Verhütungsmittel, wie z. B. die Pille oder der Verhütungsring, können sich auf die Sexualität positiv auswirken. Manche Frauen klagen jedoch darüber, dass sich ihre Sexualität mit Beginn der Pilleneinnahme deutlich verschlechtert habe. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht immer lässt sich eindeutig klären, was nun genau die Ursache des Problems ist. So ist bei einer solchen Situation manchmal aber gar nicht die Pille (auch wenn es auf den ersten Blick wegen des zeitlichen Zusammenhangs so aussieht), sondern ein ganz anderer Faktor das Problem, z.B. die Dauer der Beziehung. Diese scheint nämlich einen ganz erheblichen Effekt auf die Libido zu haben. Dennoch kann es in Einzelfällen durchaus sein, dass die Pille auch direkt einen Einfluss auf die Libido hat. Man vermutet, dass die Pille u. a. die Bildung und Wirkung des männlichen Hormons Testosteron vermindert. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass eine verminderte Bildung und Wirkung des Testosterons in vielen Fällen auch durchaus erwünscht ist, um z.B. das Hautbild zu verbessern und einer Akne vorzubeugen.
Mehr über die besonderen Vorteile der verschiedenen hormonellen Verhütungsmittel erfahren Sie hier.
Methodenvergleich
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