Männersprache – Frauensprache
Dr. Eva Wlodarek

Geht’s gut?
Frauen erkennen – weitaus besser als Männer – die Stimmung einer Person an der Mimik. Das liegt natürlich an der fraulichen Beobachtungsgabe. Wir scannen Gesichter, um direkt auf die momentane Gefühlslage des Gegenübers eingehen zu können. Deshalb braucht es in einer guten Freundschaft zwischen Frauen auch nicht immer viele Worte.
Die tägliche Weichspüler-Dosis
Unsere Sprache kennt wenige Ecken und Kanten. Ich nenne sie deshalb die „Seidenpapier-Sprache“, weil alle Aussagen möglichst zart verpackt werden, damit nur ja niemand Anstoß daran nimmt. In grammatischer Hinsicht geschieht das vor allem durch die Möglichkeitsform: „Könntest du bitte …?“ „Ich würde mich freuen, wenn …“ Außerdem enthält die Beziehungssprache zahlreiche Floskeln, die Bescheidenheit suggerieren, wie: „Es ist vielleicht eine dumme Frage, aber...“ Sie lässt dem Gesprächspartner auch gern die Wahl, worauf er reagieren will, indem sie zwei Botschaften gleichzeitig transportiert. So antworten viele Frauen auf die Frage, wie es ihnen geht: „Eigentlich ganz gut.“ Selbst schärfere Töne werden mit einem soften Vorspann gemildert: „Würden Sie bitte so freundlich sein und mich nicht immer unterbrechen?“ Gewiss merken Sie schon an diesen wenigen Beispielen: Diese Sprache schafft ein prima Klima, in dem sich alle wohl fühlen.
Das schwache Geschlecht?
In der männlichen „Statuswelt“ geht es weniger verbindlich zu. Typisch ist, dass man(n) sich unabhängig gibt. Das zeig
t sich schon in alltäglichen Dingen. Haben Sie einmal mit einem Mann am Steuer eine Straße gesucht? Dann wissen Sie, dass er lieber dreimal um den Block fährt, als das Fenster herunterzukurbeln und einen Passanten nach dem Weg zu fragen. Um Hilfe bitten bedeutet in der Statuswelt, Schwäche zu zeigen. Außerdem ist die Rangordnung von besonderer Bedeutung.
Ein Mann, ein Wort
Den größten Status besitzt, wer das Sagen hat. Von daher ist es nur logisch, dass hier Anweisungen eine wichtige Rolle spielen: „Mach mal das Fenster zu.“ Aussagen sind meist kurz und knapp formuliert: „Das passt mir nicht.“ Auch über Gefühle sprechen Männer äußerst ungern, denn das ist für sie ein unsicheres und ungewohntes Gebiet. Lieber äußern sie sich zu Fakten.
Kleiner Sprachkurs
Die Sprache der „Beziehungswelt“ beherrschen Sie ja bestimmt schon perfekt. Damit Sie Ihren Partner besser verstehen und von ihm besser verstanden werden, lohnt sich ein Sprachkurs der besonderen Art: Lernen Sie zusätzlich noch die Sprache der „Statuswelt“ mit ihrem klaren, direkten Ausdruck. Zu Anfang wird sie Ihnen vermutlich etwas schwer über die Lippen gehen. Sie haben das Gefühl, unhöflich, barsch oder zu fordernd zu klingen. Bedenken Sie aber bitte: Ihre Sprachform war bis jetzt extrem weich und deshalb kommt Ihnen die ungewohnte Sprachform härter vor, als sie tatsächlich ist.