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„Sag doch was!“ – Bringen Sie Ihren Partner zum Reden

Dr. Eva Wlodarek

Immer wieder schaffen es Männer mit besondere „Tricks“, einem emotionalen Gespräch mit ihrer Frau oder Freundin aus dem Weg zu gehen. Kürzlich wurden in einer Frauenzeitschrift Männer zwischen 26 und 48 Jahren dazu interviewt – und die Methoden ließen an Kreativität nichts zu wünschen übrig: Kai etwa verzieht sich ins Fitness-Studio, bis die Luft wieder rein ist. Nikolai stellt sich ein Fußballfeld vor und malt sich Spiele aus, während er scheinbar zuhört. Daniel zeigt keine Emotionen und lässt seine Partnerin wie beim Aikido ins Leere laufen.

Sprachlos wird schnell zu lustlos

Toll, was sich erwachsene Männer ausdenken, um einer Auseinandersetzung mit ihrer Partnerin aus dem Weg zu gehen. Man könnte glatt darüber lachen, wenn das Verhalten für die Beziehung nicht so gefährlich wäre – vor allem auch für die Sexualität. Wissenschaftler haben nämlich festgestellt, dass eine emotionale Abschottung auf die Dauer dazu führt, dass das sexuelle Interesse erlahmt. Im Klartext: Paare, die nicht offen über ihre Gefühle miteinander sprechen, haben auch häufiger sexuelle Probleme. Die amerikanische Sexualtherapeutin Helen Singer Kaplan, die sich intensiv mit Störungen der sexuellen Lust befasst hat, behauptet sogar: Ein befriedigendes Sexualleben ohne Kommunikation zu schaffen, ist, als ob man mit verbundenen Augen auf einer Zielscheibe ins Schwarze treffen will.

Nur keine Emotionen bitte!

Eine offene Kommunikation ist also auch die Basis für guten Sex, selbst wenn Sex gar nicht direkt das Thema ist. Aber wie soll sie funktionieren, wenn die Männer sich einer Aussprache generell verweigern oder nur mit einem Pokerface zuhören? Um ihr Verhalten zu verstehen, ist zunächst Ursachenforschung angesagt. Wie kommt es, dass Männer sich in puncto Gefühle zu Geheimnisträgern entwickeln? Dass sie Ihnen zwar als Liebesbeweis stundenlang ein Bücherregal aufbauen, aber die drei magischen Wörter „Ich liebe dich“ schwer über die Lippen kriegen? Dass sie ungern über das sprechen, was sie im Job belastet, oder dass sie bei der Ankündigung „Schatz, wir müssen reden“ am liebsten flüchten?
        

Männer sind genauso emotional wie Frauen

Als Erstes müssen wir mit dem Mythos aufräumen, dass Männer weniger emotional sind als Frauen. Fakt ist: Jedes menschliche Wesen verfügt über eine breit gefächerte Skala von Empfindungen und ist auch prinzipiell in der Lage, diese auszudrücken. Wir alle sind von Natur aus so angelegt, dass wir Glück und Zufriedenheit empfinden, wenn man uns liebevoll berührt. Wir werden wütend, wenn man uns ärgert. Wir haben Angst, sobald wir bedroht werden. Wir reagieren gekränkt, wenn man uns beleidigt. Wir sind traurig, wenn man uns verlässt.

Von klein auf müssen Männer „cool“ sein

Dass die meisten Männer trotzdem wesentlich emotionsloser wirken als Frauen, liegt an ihrer gesellschaftlichen Konditionierung. Vom Zeitpunkt der Geburt an wird die Behandlung, die ein Kind erfährt, von der männlichen und weiblichen Rollendefinition des sozialen Umfelds bestimmt. Kleine Jungs werden aufgefordert, ihre Empfindungen möglichst nicht zu zeigen („Du bist doch kein Mädchen“, „Sei doch keine Zimperliese“). Auf diese Weise lernen sie bald, ihre Gefühle hinter einer „coolen“ Maske zu verbergen.

Schweigen als Schutz

Das bleibt nicht ohne Folgen. Ein Muskel, den man nie trainiert, verkümmert. Und wer nie über seine Gefühle spricht, verlernt die Fähigkeit dazu. Spätestens als Erwachsene spüren Männer auf diesem Gebiet ihr Defizit gegenüber Frauen. Kein Wunder, dass sie dann später nur ungern über das sprechen, was in ihnen vorgeht, und sich am liebsten vor Auseinandersetzungen drücken. Schweigen ist der Schutzmechanismus, mit dem sie ihr sensibles Seelenleben absichern. Sie vermeiden damit die Angst, sich schwach zu zeigen, sich abhängig zu machen oder in einer emotionsgeladenen Szene verbal zu unterliegen.

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