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Keine Lust – ohne Frust! Oder: der Tanz der Hormone

Dr. Anneliese Schwenkhagen

Ein Gespenst geht um in deutschen Schlafzimmern – das Gespenst der sexuellen Lustlosigkeit. Sie trifft Frauen, aber auch Männer. Besonders in lang andauernden Beziehungen taucht das Problem immer wieder mal auf, auch ohne dass irgendetwas mit der Beziehung oder der Liebe nicht mehr stimmt.
Doch was hat es mit diesem Gespenst auf sich? Und müssen wir überhaupt Angst davor haben? Die Wissenschaft hält einige interessante Antworten auf diese Fragen parat:

Der „Coolidge-Effekt“

Für die Wissenschaft ist dieses Phänomen nichts Neues. Sie spricht dabei allgemein von dem „Coolidge-Effekt“, benannt nach einer kleinen Geschichte, die dem amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge (1872–1933) und seiner Frau zugeschrieben wird: Mr. Coolidge besuchte gemeinsam mit seiner Frau eine Hühnerfarm. Mrs. Coolidge zeigte sich sehr beeindruckt von der Vielzahl der Hühner, Küken und Eier bei einer nur sehr kleinen Anzahl von Hähnen. Der Farmer soll ihr stolz berichtet haben, dass der Hahn „den ganzen Tag lang mit Hennen kopulieren“ könne. Sie soll daraufhin dem Farmer erwidert haben: „Sagen Sie das mal meinem Mann.“ Als der Präsident später davon erfuhr, habe er nachgefragt: „Jedes Mal mit derselben Henne?“ „Nein, Sir, jedes Mal mit einer anderen", habe die Antwort des Farmers gelautet. Woraufhin Mr. Coolidge meinte: „Sagen Sie das meiner Frau.“ Der „Coolidge-Effekt“ wurde bislang bei vielen Säugetieren beobachtet: Immer wieder fand sich das gleiche Ergebnis.

Im Rahmen von tierexperimentellen Untersuchungen konnte man zeigen, dass dem „Coolidge-Effekt“ bestimmte Strukturen und Botenstoffe im Gehirn vorausgehen.

Dopamin – der Stoff, aus dem die Träume sind

Verantwortlich für den Effekt sind z. B. der Nucleus accumbens und der „Glücksbotenstoff“ Dopamin – auch als dopaminerges Belohnungssystem bekannt. Gibt man Ratten z. B. die Möglichkeit, sich mittels Tastendruck über eine in der entsprechenden Hirnregion platzierte Elektrode selbst zu stimulieren, so machen sie davon intensiv Gebrauch.

Aber auch Sex und euphorisierende Drogen treiben den Dopaminspiegel in die Höhe. Bei den Ratten hat sich gezeigt, dass die Dopaminfreisetzung dann am höchsten ist, wenn sie sich mit einer neuen Rattendame austoben können. Nach einer gewissen Zeit erlahmt das Interesse an der jeweiligen Rattendame aber wieder. Ganz parallel dazu fällt auch der Dopaminspiegel. Erst eine neue Rattendame führt wieder zu einer starken Stimulation des dopaminergen Belohnungssystems. Nun sind wir Menschen natürlich keine Ratten. Es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass der Botenstoff Dopamin auch beim Menschen an der Entstehung von Lust und Unlust beteiligt ist.

Oxytocin – das Treuehormon

Ein anderer wichtiger Botenstoff ist das Oxytocin. Ein Hormon, das im Hypothalamus gebildet wird und im Körper vielfältige Aufgaben übernimmt. Es wird z.B. durch Streicheln, beim Geschlechtsverkehr und beim Orgasmus freigesetzt. Untersuchungen an Prärie- und Berg-Wühlmäusen lassen vermuten, dass die Wirkung des Hormons Oxytocin für Treue und soziale Bindungsfähigkeit verantwortlich ist. Auch hier geht man davon aus, dass das Oxytocin-System beim Menschen eine ähnliche Funktion hat. Im Augenblick wird intensiv daran geforscht, ob das auch als „Kuschelhormon“ bezeichnete Oxytocin möglicherweise zur Therapie sexueller Probleme eingesetzt werden kann.

Welche Verhütungsmethode hat welche Hormone? Hier haben Sie eine klare Übersicht.
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Ist sexuelle Lust nur eine Frage der Stimulation? Welchen Einfluss haben die Hormone darauf?
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