Was macht den Mann zum Mann?
Dr. Ulrike Brandenburg
Warum sind die Hoden außerhalb des Körpers?
Klare Frage, klare Antwort: damit die Samenproduktion reibungslos funktioniert. Und das ist nur gewährleistet, wenn die Hoden zwei Grad unter der normalen Körpertemperatur gehalten werden. Aus diesem Grund ist die Haut des Hodensacks besonders dünn und voller Schweißdrüsen sowie von Muskelfasern durchzogen. Wenn es den Hoden zu warm wird, werden sie durch die Schweißdrüsen gekühlt – gleichzeitig entspannen sich die Muskelfasern. Das sorgt dafür, dass sich die Oberfläche des Hodensacks vergrößert und die Hoden weiter entfernt vom Körper hängen.
Wie entstehen Spermien?
Die Spermienproduktion des Mannes beginnt mit der Pubertät und endet erst mit seinem Tod. Während dieser Zeit werden im Hoden täglich rund 100 Millionen Spermien hergestellt. Jedes dieser Spermien ist dann aber schon 90 Tage alt. Denn 70 Tage brauchen die Hoden allein, um Spermien mit Kopf, Mittelteil und Schwanz zu entwickeln. Die restlichen 20 Tage reifen die Spermien in den Nebenhoden, von wo sie dann langsam in die Samenleiter wandern.
Warum ist Testosteron bei Männern so wichtig?
Testosteron ist das wichtigste aller männlichen Geschlechtshormone. Ohne Testosteron würde der Hoden nämlich keine Samenzellen herstellen können. Dazu sorgt Testosteron ab der 8. Schwangerschaftswoche dafür, dass sich die Geschlechtsorgane bei Jungen „männlic
h“ weiterentwickeln (in den Wochen davor unterscheiden sich die Anlagen der Geschlechtsorgane bei Jungen und Mädchen nicht). In der Pubertät ist es ebenfalls das Testosteron, das die Geschlechtsorgane sich vollends entwickeln lässt.Testosteron hat aber noch weitere Wirkungen: So fördert das Hormon die Entwicklung der Muskeln sowie die der Körperbehaarung – wirkt sich aber auch nachteilig auf die Menge der Kopfbehaarung aus. Schluss mit der Legende: Ein hoher Testosteronwert im Blut eines Mannes bedeutet nicht, dass er häufiger Lust auf Sex hat. Allerdings begünstigt Testosteron die körperlichen Voraussetzungen für die Lust – und zum Teil auch die Erektionsfähigkeit.
Wie funktioniert der Orgasmus des Mannes?
Der Orgasmus des Mannes (und der Frau) lässt sich in vier Phasen aufteilen: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase.
Die Erregungsphase: Fühlt sich der Mann sexuell erregt (durch Gedanken, Gerüche, Bilder, Berührungen usw.), wird der gesamte Unterleib stärker durchblutet: Der Herzschlag beschleunigt sich, der Blutdruck steigt. Die Schwellkörper im Penis füllen sich, bis das Glied komplett erigiert ist.
Die Plateauphase: Mit steigender Erregung schwillt die Eichel an und wird dunkler. In der Prostata vermischen sich die Sekrete der Prostata mit dem Sperma. Damit dieses Gemisch nicht einfach aus der Prostata herausläuft, wird die Harnröhre durch Muskeln verschlossen. Dadurch entsteht Druck, der durch die zunehmende Menge an Sperma in der Prostata immer mehr ansteigt. Begleitet wird der Druckanstieg von schnellerer Atmung und schnellerem Herzschlag.
Die Orgasmusphase: Ist die Prostata prall mit Sperma gefüllt, wird durch den entstehenden Druck ein Reflex ausgelöst und der Orgasmus ist nicht mehr aufzuhalten: Penis, Harnröhre, Samenleiter und Prostata kontrahieren innerhalb weniger Sekunden mehrmals. Und die Samenflüssigkeit wird aus der Prostata mit bis zu 50 Kilometer in der Stunde durch die Harnröhre nach draußen gepresst.
Die Rückbildungsphase: Nach dem Orgasmus beruhigt sich der Körper wieder. Atmung und Herzschlag werden langsamer. Das Blut fließt aus den Schwellkörpern. Der Penis wird wieder weich. Und noch etwas passiert: Für eine gewisse Zeit ist der Mann unempfänglich für sexuelle Reize. Und auch ein Orgasmus ist nicht möglich. In der Tat fühlen sich die meisten Männer nach dem Orgasmus wie erschlagen und müde. Wie schnell ein Mann wieder orgasmusfähig und für sexuelle Reize empfänglich ist, ist von Mann zu Mann sehr verschieden.
Kann der Mann einen Orgasmus ohne Samenerguss haben?
Ja, das geht. Kommt ein Mann ohne Samenerguss zum Orgasmus, wird das in der Prostata gesammelte Sperma einfach vom Körper abgebaut. Den umgekehrten Fall gibt es aber nicht: kein Samenerguss ohne Orgasmus.
Wie viel Samen fließt beim Orgasmus?
Im Durchschnitt entspricht die Menge eines Samenergusses der eines Teelöffels. Im Ejakulat können sich dabei bis zu 100 Millionen Spermien befinden.
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