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Let’s talk about sex! – Miteinander über sexuelle Wünsche sprechen

Dr. Eva Wlodarek

Sie sind eine selbstbewusste Frau, die sich so schnell von keinem die Butter vom Brot nehmen lässt. Nicht im Job und auch nicht im Privatleben. Ihnen passt etwas nicht? Dann machen Sie den Mund auf. Sie möchten etwas haben? Dann drucksen Sie nicht lange herum, sondern sagen, was Sie wollen. Und nun: Eigentlich müssten Sie mit Ihrem Partner mal das Thema „Sex“ sprechen. Weil Sie in letzter Zeit im Bett nicht ganz glücklich sind. Weil Sie bestimmte Wünsche haben, die er ja nicht erraten kann. Oder weil Sie vermuten, dass er seinerseits nicht so recht zufrieden ist. Klar, das werden Sie als emanzipierte Frau jetzt endlich mal angehen.
  

Zurückhaltung führt zu nichts

Plötzlich überfällt Sie eine merkwürdige Zurückhaltung. Das merken Sie daran, dass Sie das fällige Gespräch immer wieder verschieben, nach dem Motto: „Ein andermal, jetzt will ich uns damit nicht die gute Stimmung verderben.“ Vielleicht wiegeln Sie auch vor sich selbst ab: „Na ja, das ist bestimmt nur eine momentane Flaute“ oder: „Gewiss liegt es daran, dass er gerade so viel Stress hat“ oder: „Möglicherweise bin ich einfach übersensibel“. Eigentlich können Sie sich gar nicht erklären, warum Sie ausgerechnet in puncto Sex so herumeiern. Schließlich sind Sie weder prüde noch unaufgeklärt. Mit Ihren besten Freundinnen reden Sie problemlos über jedes Detail. Warum also nicht auch mit ihm?

Es steht viel auf dem Spiel

Das Phänomen kennen viele Frauen (und ebenso Männer!). Es lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Wir haben Angst vor Zurückweisung. Und das aus gutem Grund: Alles, was mit Sexualität zusammenhängt, betrifft unsere Identität im Kern. Es geht eben nicht darum, irgendein heikles Problem auszudiskutieren, wie etwa den nächsten Urlaub am Meer oder in den Bergen, sondern um unsere Persönlichkeit. Für Frauen steht ihre Weiblichkeit, für Männer ihre Männlichkeit in einem offenen Gespräch über sexuelle Wünsche und Vorlieben auf dem Prüfstand. Für beide geht es dabei außerdem um die Frage, wie liebenswert und attraktiv sie für den anderen sind. Man könnte ja eventuell erfahren, dass der Partner oder die Partnerin einen manchmal gar nicht so toll findet.

Angst vor der Wahrheit?

Außerdem kommt noch hinzu: Will ich wirklich wissen, was mein Partner für ausgefallene Fantasien oder Wünsche hat? Frauen werden meist von gewalttätigen oder pornografischen Vorstellungen abgestoßen. Männer fühlen sich häufig von „Rivalen“, etwa Filmstars mit super Körper, oder Anforder-ungen an ihre Potenz unter Druck gesetzt. Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht weiß, wie die eigenen Ideen aufgenommen werden. Alles das kann dazu führen, dass wir unbewusst unsere Bemühungen um ein offenes Gespräch über Sex sabotieren. Wir fürchten, was wir zu hören bekommen, könnte Unbehagen bei uns auslösen. Deshalb verschließen wir uns lieber vor der Wahrheit. Im Grunde will vielleicht keiner von beiden, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden. Also flüchtet sich das Paar in die Illusion, es gäbe kein Problem.

Offenheit siegt!

Doch den Kopf in den Sand zu stecken, ist der falsche Weg. Möglicherweise fühlen Sie sich zwar sicherer, wenn Sie und Ihr Partner sexuelle Probleme unter Verschluss halten. Tatsache ist aber, dass es wesentlich sicherer ist, darüber zu reden. Weil Sie dann wissen, woran Sie sind. Und weil Sie meist etwas ändern können. Echte Nähe setzt voraus, dass jeder die grundlegende Wahrheit des anderen kennt. „Let’s talk about sex“ heißt eben auch: Trau dich, offen zu sagen, was du gerne (anders) hättest.
„Offen“ heißt allerdings nicht „brutal und schonungslos“. Die folgenden Regeln sollten Sie beachten, damit Ihre Angst vor Ablehnung nicht zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.

Bitte genaue Rückmeldung

Mit allgemeinen Vorwürfen à la „Du bist im Bett immer so unsensibel“ kann Ihr Partner nichts anfangen. Wenn Sie wollen, dass er etwas ändert, dann müssen Sie ihm dafür ein genaues Beispiel geben. Etwa „Ich brauche ein längeres Vorspiel“ oder „Wenn du anschließend gleich unter die Dusche springst, fühle ich mich zurückgewiesen“. Dann weiß er, wo er ansetzen muss.

Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Sexualität wirklich stressfrei genießen können.
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