Was verstehen Sie unter Smart Sex?
Dr. Ulrike Brandenburg
Anna, 32 Jahre: „Hört sich pfiffig an, intelligent, ja auch witzig und kreativ, und das beim Sex. Das stelle ich mir gut vor.“
Charlotte, 42 Jahre: „Hm, ich glaube, Smart Sex ist das, was ich mit 20 noch nicht kannte und wo ich jetzt in meinem Alter so langsam hinkomme, nämlich mich mehr zu trauen, deutlicher zu sagen, was ich will und auch was ich nicht will, ja, und mich nicht ausschließlich davon dominieren zu lassen, dass ich oder das, was ich möchte, oder das, was ich sage, peinlich sein könnte. Ich bin beim Sex entspannter und mutiger geworden und das tut mir gut.“
Saskia, 19 Jahre: „Tja, ich weiß nicht. Smart Sex hört sich so glatt, cool und selbstbewusst an. Glatt will ich gar nicht sein, aber selbstbewusst und cool und vor allem entspannt beim Sex. Das wäre ich total gern. Ich bin es aber nicht. Ich bin oft so angespannt. Ich stelle mir dauernd die Frage, ob das, was ich mache und wie ich es mache, okay ist. Und dann wird der ganze Sex verkrampft. Aber vielleicht wird das ja noch anders. Ich sehne mich danach. Ich glaube, es gibt auch so etwas wie sexuelle Weiterentwicklung.“
Sven, 37 Jahre: „Smart Sex, das klingt gut. Es klingt nach Unterschied, nach Spannung. Es klingt nach einem Film, in dem zwei Menschen vorkommen, die ein gutes Spiel spielen, bei dem jeder Spielpartner ein eigenes Profil besitzt und es entsprechend immer wieder zu Überraschungen kommt.“
Guter Sex fällt einem nicht einfach in den Schoß
Darf Sex Spiel sein – kreativ, witzig und klug? Und stellt sexuelle Weiterentwicklung womöglich einen Baustein im Entwurf von persönlicher Weiterentwicklung dar? Sind Saskia und die anderen vielleicht einfach Personen, denen Sex über alles geht? Oder sind es solche, die eigentlich mit Sex ein Problem haben und es nicht zugeben wollen? Ich glaube das nicht. Es sind ganz normale Menschen, die sich trauen, offen darüber zu sprechen, dass guter Sex gelernt werden kann.

Kann man guten Sex lernen?
Alle sprechen davon, dass sie sich sexuelle Weiterentwicklung gut vorstellen können, auch zum Teil wünschen. Sie verbinden damit Mut, Witz, Spiel und Selbstsicherheit. Alles in allem könnte man sagen Leichtigkeit, denn diese entsteht genau dann, wenn wir uns unserer Sache sicher sind. Und uns auf der Basis dieses sicheren Gefühls was auch immer trauen. Das kennt jeder.
Übung macht den Meister
Wenn ich mir sicher bin beim Tanzen oder beim Vortragen, dann bin ich entspannter. Und dann wiederum traue ich mich Schritt für Schritt das auszuprobieren, was ich möchte und für wichtig halte. Für den Sex gilt genau dasselbe: Je mehr wir uns trauen, uns ernst zu nehmen und Wünsche auszusprechen, aber auch das zu benennen, was wir nicht wollen, umso mehr Erfahrungen machen wir.
Orgasmen ohne Ende?
Erfahrung per se ist natürlich nicht immer nur angenehm. Sie ist manchmal enttäuschend oder frustrierend, aber sie ist auch die Kernessenz von Entwicklung. Sinnlichkeit pur, reine Wollust – große Worte, wundervolle Bilder, aber wer von uns erlebt das denn einfach so? Vergleichen wir das doch einmal mit unserer alltäglichen oder allmonatlichen Sexualität. Fühlt sich dieser Vergleich etwas komisch, vielleicht auch etwas kümmerlich an? Kennt nicht jeder die Frage „Ist das, wie ich sexuell lebe, okay?“ Und sollten wir sie angesichts unserer Zweifel oder sexuellen Durchschnittlichkeit vielleicht lieber gar nicht haben wollen, diese göttlichen Momente?
Immer wieder enttäuschend
„Wissen Sie, Frau Doktor, ich halte es einfach nicht mehr aus, mich nach schöner Sexualität zu sehnen. Diese Sehnsucht führt mich jedes Mal wieder in die Enttäuschung. Ich bin verspannt beim Sex, voller Hemmungen und in Erregung komme ich fast nie. Ja, und ich will diese Sehnsucht endlich loswerden. Sie konfrontiert mich mittlerweile mit nichts anderem mehr als meiner gelebten und gefühlten Enttäuschung“, so Yvonne, 35 Jahre.
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