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Facettenreich, lustvoll und sensibel – Frauen und ihre Sexualität

Sex-Ratgeber füllen in Buchhandlungen ganze Regalwände, kaum eine Frauenzeitschrift, die nicht eine ganze Rubrik „Sex and Love“ anbietet. Das Thema „weibliche Sexualität“ hat eben so viele Seiten und Aspekte, wie es Frauen gibt. Und es scheint trotz aller Emanzipation und guter Bildung immer noch einen immensen Aufklärungsbedarf zu geben.

Häufig wird in diesen Publikationen das Bild einer selbstbewussten Frau gezeichnet, die mit allen Situationen spielend klarkommt. Mal ehrlich: Zählen Sie zu diesen seltenen Exemplaren, die einfach so draufloslieben – stets lustvoll und leichten Herzens? – Nein? Seien Sie beruhigt, Sie sind nicht allein. Für die meisten Frauen ist die eigene Sexualität nach wie vor ein vielschichtiges Thema mit einer Menge offener Fragen und Wünsche. Was genau sind also die Fragezeichen in puncto Sex? Was ist es, das Frauen nicht wissen oder worüber sie mehr wissen wollen? „female affairs“, die neu gegründete Initiative sechs renommierter Wissenschaftlerinnen der Bereiche Gynäkologie, Sexualwissenschaft, Sozialmedizin, Soziologie und Psychologie ist der Sache auf den Grund gegangen: Die Expertinnen von „female affairs“ führen täglich Gespräche mit Frauen und kennen ihre heißen Themen – Wissensdefizite, was den eigenen Körper anbelangt, Mythen über Sexualität und Liebe, Kommunikation in der Beziehung, Schutz vor ungewollter Schwangerschaft sowie ein nach wie vor leicht zu erschütterndes weibliches Selbstbewusstsein. Frauen von heute stehen mit beiden Beinen im Leben, füllen oft mehrere Rollen gleichzeitig aus, wissen viel und trotzdem, wenn es um ihre eigene Sexualität geht, ist ihr Ego oft zart und zerbrechlich.

Was ist schon „normal“?

„Dass das Thema „Sex“ in den Medien so präsent ist, etwa in Frauenzeitschriften mit Titeln wie „Männer verraten, was sie sich im Bett wünschen“ oder „Love and Sex News“, ist prinzipiell durchaus ein Gewinn“, sagt die Psychologin und „female affairs“-Expertin
Dr. Eva Wlodarek. „Denn dadurch erfolgt Aufklärung in die Breite.“ „Allerdings hat das oft auch eine ungewollte Nebenwirkung“, so die „female affairs“-Expertin weiter. „Die Möglichkeiten werden leicht als Norm empfunden. Viele Frauen setzen sich unter Druck, nach dem Motto: Wenn ich weiß, wie es optimal funktioniert, muss ich das auch perfekt umsetzen.“ Das führt nicht nur zu Leistungsstress, sondern verringert häufig auch das Selbstbewusstsein. „Wichtig ist“, so Wlodarek, „dass die Frauen ermutigt werden, in der Sexualität trotz aller Information ihren eigenen Gefühlen zu trauen.“

Dr. Ulrike Brandenburg ist Sexualwissenschaftlerin und Gründungsmitglied von „female affairs“. Sie weiß aus vielen Gesprächen mit Patientinnen, dass es beim Thema Sex immer schwierig ist, zu sagen, was „normal“ oder was „nicht normal“ ist. Sie weiß aber auch, welche Mythen es gibt, die Frauen bei ihrer Sexualität verunsichern. „Nach wie vor zum Beispiel hält sich der hartnäckige Mythos: Wenn Mann und Frau sich lieben, dann stimmt auch der Sex.“ Lust auf immer und ewig, perfektes Happy End! Schön wär’s ...“ Vielmehr, so Brandenburg, gibt es viele – und zum Teil ganz profane – Stolpersteine auf dem Weg zur erfüllten und glücklichen Sexualität. Das Spektrum reicht dabei vom normalen Alltagsstress über Verhütung bis hin zu organischen Problemen, die die Sexualität beeinflussen. „Und genau über solche Dinge wollen wir von „female affairs“ reden. Denn nur wer wirklich Bescheid weiß, kann sich sexuell kompetent verhalten und die für sich richtigen Entscheidungen treffen.“

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